Merkmale und Symptome

Bulimie-Betroffene sind meisten sind normalgewichtig, können auch unter- oder übergewichtig sein. Das typische Merkmal sind heisshungerattacken nach denen sogenannte gegenregulatorische Maßnahmen ergriffen werden, um eine Gewichtszunahme zu vermeiden: Hierzu zählen selbstinduziertes Erbrechen, Hungern, extreme Diäten, exzessiver Sport, der Missbrauch von Laxanzien (Abführ-) und Brechmitteln.

Die Essanfälle treten unterschiedlich häufig auf, wobei die Häufigkeit auch im Störungsverlauf variieren kann— zwischen zwei Ess-Brech-Attacken können mehrere Wochen liegen, das Essen und anschließende Erbrechen kann auch mehrmals täglich erfolgen. Als Auslöser für den Heißhunger gelten emotionale Faktoren, psychischer Stress, Unzufriedenheit mit der eigenen Person, starke Gefühle von Verlassenheit, später wird der Heißhunger über das Energiedefizit, das durch die gegenregulatorischen Maßnahmen wie Hungern und Erbrechen entsteht, mit ausgelöst und weiter verstärkt. Während der Essanfälle haben die Betroffenen das Gefühl, die Kontrolle über sich selbst und über die Nahrungsmengen, die sie verschlingen, zu verlieren. Die Essanfälle können aber auch geplant stattfinden.

Gründe für das anschließende Erbrechen sind vor allem die Angst vor einer möglichen Gewichtszunahme sowie Scham über den eigenen Kontrollverlust/das eigene Versagen. Die Nahrungsmenge kann im Magen auch ein unangenehmes Völlegefühl und Schmerzen verursachen, so dass das anschließende Erbrechen erleichternd wirkt. Durch diesen Wechsel zwischen Hungern und Essen mit anschließendem Erbrechen, Abführen oder Abtrainieren hat die Bulimie auch den Namen Ess-Brech-Sucht.

Die Ess-Brech-Sucht beginnt oft in einem wenig höheren Alter als die Magersucht, etwa mit 17 oder 18 Jahren. In der Vorgeschichte der Betroffenen kann eine Magersucht bestehen. Der Übergang kann zu einem Zeitpunkt stattfinden, wenn bezogen auf das Gewicht und Essverhalten, eine Remission der Symptome der Magersucht erzielt wurde, die Patientin/der Patient demnach wieder begonnen hat mehr oder regelmäßiger zu essen. Die Betroffenen leiden meistens unter einer gestörten Selbstwahrnehmung und/oder einer Körperschemastörung (Dysmorphophobie). Im Gegensatz zu der Anorexia nervosa befindet sich das selbst gesetzte Gewichtslimit im Bereich des unteren Normal- oder leichtem Untergewicht. Die Betroffenen empfinden sich häufig nur bei Normalgewicht als „zu dick“. Kennzeichnend ist die übergroße Angst vor einer Gewichtszunahme, selbst bei kleineren Gewichtsschwankungen. Die Ursachen der Bulimie ähneln denen der Magersucht. Nicht selten geht der Bulimie eine anorektische Phase voraus oder wechselt sich mit Phasen der Magersucht ab.

Zu den häufigsten psychiatrischen Komorbiditäten und sozialen Problemen zählen:

In Folge einer Bulimie kann es zu einer Reihe von organischen Schäden kommen. Durch häufiges und starkes Erbrechen kann sich eine Entzündung der Speiseröhre manifestieren. Das erhöhte Magensäureangebot im Mund schädigt bei lang anhaltender Symptomatik die Zähne. Eine Bulimie kann dann akut lebensgefährlich werden, wenn durch das wiederholte Erbrechen oder den Laxanzienmissbrauch eine massive Störung des Elektrolyt-Haushaltes (Kalium-, Eisen-, sowie Calciummangel) entsteht, die zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen kann. Weitere gravierende Folgen im Langzeitverlauf sind Nierenschäden und Osteoporose.

Betroffene, die an einer Bulimie leiden, versuchen meist, ihre Krankheit zu verbergen. Oft wird sie erst mehrere Jahre, nachdem sie begonnen hat, erkannt/eingestanden und behandelt. Die Prognose ist von der Dauer der Erkrankung abhängig.